Grasse-Monaco August 2002:

 

 

 

Urlaub mit der Familie in Spanien, schon nach einer Woche: "Papa, ist so langweilig!" (O-Ton Sohn und mitgenommener Freund). Kurz danach: "Paco, mir ist auch langweilig, fahr mer heim!" (Frau). Paco hört sich das ein paar Tage an, dann Frau: "Komm Paco, fahr mer heim, kannsch o no a Woch mim Motorrad weg!". Na, das lässt man sich doch nicht zweimal sagen! Also, nach zwei Wochen, heim an den Bodensee! Zu Hause und vorbereitet auf die Mo-Tour. Ein paar Anrufe-aber keiner hat Zeit! Also Fahrt alleine! Es soll nach Korsika gehen.

Also am Montag, den 26.08.02 geht´s los. Zwischen Genf und Grenoble stand es mit dem Wetter nicht zum Besten. Es regnete, was herunter ging. So waren zweimal Zwangspausen angesagt. Bei einer war die Tankstelle voll mit Bikern, eine Gruppe davon aus Berlin mit ca. 10 Bikes. Zunächst wollte ich im Nußtal bei Vinay noch was erledigen (da laufe ich seit Jahren 15Tausend Mark hinterher, aber die gute Madame Ferrandi ist immer noch spurlos verschwunden und wieder war´s nix!). Im Nachbarort von Vinay, in St. Marcellin bin ich am Abend. Da gibts eine herrliche Pizza. Am nächsten Morgen komme ich fast nicht aus dem Bett - meine Nieren - alles tut weh! Ich bin am Vortag ca. 600km ohne Nierengurt gefahren und wahrscheinlich zusätzlich die Spanienrückfahrt mit dem Auto, jedenfalls ziemliche Schmerzen. Aber ein richtiger Biker packt das schon!

 

 

 

 

Also, nach dem Frühstück, ich kann fast mein Top-Case nicht tragen, gehts zum Tigerle. Mensch, du kriegst ja fast das Bein nicht hoch! Na, solangs bloß das ist! Zunächst gehts Richtung Grenoble entlang der Montagne de Lens. Kurz vor Grenoble dann Richtung Süden auf die Route de Napoleon. Wichtig war erst Mal ein Motorradhändler, ich brauchte dringend einen Nierengurt. Schnell hatte ich einen gefunden und danach gings merklich besser.

Über den Col de la Croix ((1176m) fuhr ich weiter über Sisteron. Bei Chateau Arnaux gings links weg, Richtung Digne. Es ist eine Gegend, wie wir uns das wünschen, rauf und runter und jede Menge Kurven. Über Barréme, einem Bergdorf, aus dem der vorzügliche Barréme-Lavendel kommt (wir verkaufen Barréme-Lavendel seit vielen Jahren, jetzt hab ich doch endlich den Ursprung gesehen) war mein nächstes, größeres Ziel Grasse. Auf dem Weg dorthin gabs jede Menge Pässe, wie den Col de Legues (1146m), Col de la Valferriere (1169m), Col du Pilon (786m), aber hier wurde es dann schon flacher, es ging dem Meer zu. Ich hatte plötzlich eine richtige Duftwolke Lavendel in der Nase und dachte, das muß eine Destille sein. Die musste ich sehen, also umgedreht und gesucht. Nicht lange, dann hab ichs gefunden, aber es war keine Destille, sondern eine Mülldeponie. Hier riecht sogar der Schutt nach Lavendel, ne es muß wohl so sein, daß die Destillationsrückstände hier abgeladen wurden!

 

 

Es wurde merklich milder und Grasse, die Stadt der Nasen (das sind die mit den weltbesten Riechkolben, die Düfte und Parfumes machen). Schon wenn man in die Stadt einfährt, riecht man, daß das die Stadt der Düfte ist.

 

 

Eine Parfümerie an der an der anderen, südländische, enge Gassen und wieder Parfüm, Seifen und wieder Parfüm und natürlich reine ätherische Öle.

 

Früher hat man hier im Ort destilliert. Heute wird meistens mit fahrbaren Destillen direkt am Lavendelfeld destilliert. So ist das Destillat (ätherische Öl) am wertvollsten!

 

Auf dem Parkplatz habe ich noch drei Biker aus Rottweil getroffen, die meinen Parkplatz mitbenutzten, Parkplätze sind wie überall auch hier knapp.

 

So, ich musste langsam los, es war schön in Grasse, aber ich will ja heute noch auf die Fähre nach Korsika. Meine Nieren melden sich immer wieder, aber es muß einfach gehen!

 

Von Grasse fahre ich weiter Richtung Nizza, dort ist auch der Fährehafen. Nicht lange, bin ich auch in Nizza, stehe direkt am Strand und mache Fotos. Besser gewesen wäre, ich hätte mich in Grasse nicht solange aufgehalten und wäre hier in Nizza direkt zur Fähre gefahren (auf dem Bild sieht man die auslaufende Fähre).

 

An der Fähre eröffnet mir eine freundliche Dame, daß die nächste Fähre nach Korsika erst morgen, abends um 18.00 Uhr geht. Was tun? Ich verliere einen ganzen Tag, das passt nicht in meinen Plan. So entschließe ich mich, nicht nach Korsika zu fahren. Das ist der Vorteil, wenn man allein unterwegs ist, solche Entscheidungen sind schnell getroffen.

 

Also hatte ich viel Zeit gewonnen, so gings weiter am Meer entlang, nächstes Ziel Monaco. Einmal auf Schumis Spuren die Strecke abfahren, nur eben ein bisschen langsamer. Eine tolle Stadt, viele Reiche, das sieht man insbesondere im Hafen an den Riesenyachten und natürlich auch an den Häusern, aber auch an den Autos und den Menschen.

 

Nach Monte Carlo gehe ich dann auf die Autobahn um noch ein Stück vorwärts zu kommen. Ein ganzes Stück nach der Grenze Italien verlasse ich die Autobahn in Imperia und versuche, direkt am Meer ein Hotelzimmer für diese Nacht zu erhalten. Das ist ein Unterfangen um diese Zeit! Ich will nicht übertreiben, aber ich habe bestimmt 20 Mal angehalten und gefragt, immer das gleiche: "Completto", die waren alle voll. Das Spiel ging so bis Noli. Abends um 21.45 Uhr habe ich dann doch noch ein Zimmer bezogen, Motorrad konnte ich durch den freundlichen Herrn an der Rezeption im Hof unterstellen. Das Zimmer war so na, ja und kostete ja nur 75 Euro ohne Frühstück! Die langen mächtig zu hier! In Noli war ich dann noch unterwegs bis 24 Uhr, noch schön gegessen ( eine Pizza Frutti di Mare mit jeder Menge Miesmuscheln mit Schale, nicht so mein Fall, aber Spezialität des Hauses) und getrunken (ich musste ja viel trinken, wegen meiner Nieren - haha!).

 

 

 

 

Am Morgen fast nicht aus dem Bett gekommen, weil mein ganzes Fahrgestell so weh tat. So hab ich mich insgeheim schon entschlossen, wenn´s nicht besser wird, fahre ich heute direkt nach Haus. Beim Frühstück lege ich mir meine Tour zurecht. Das Frühstück mehr als spärlich, kostet nur 12 Euro!

Die Tour ist geplant. Es geht zunächst weiter bis Savona. Auf direktem Weg fahre Richtung Turin, aber Landstraßen über Fossano und Carmagnola.

Um Turin zu umgehen, nutze ich die Autobahn. Auf der Autobahn fahre ich weiter, bis Anfang Aostatal. Dort gehe ich wieder auf die Landstraße. Im schönen Aostatal esse ich zu Mittag, der Gastwirt ist auch ein Biker mit einer Moto Guzzi Jackal.

 

Ihr merkt schon, mein Elan auf dieser Tour Fotos zu machen, ist ziemlich gebremst. Ich bin froh, wenn ich auf dem Bock sitze, jedes Auf- und Absteigen ist eine ziemliche Qual!

 

Das Aostatal ist wunderbar, man müsste länger Zeit dafür einräumen. Erwähnenswert ist auf dieser Reise eigentlich nur noch Auf- und Abfahrt zum und vom Colle del Gran Bernardo (2469m), das war wirklich toll. Oben war alles im Nebel verhüllt und der große Berhardiner sah einen wirklich mit großen Augen an. Ein Engländer sah meine Tiger mit großen Augen an und gab mir zu verstehen, daß er selbst auch eine Tiger hat, aber eine alte, die nichts mit unserer Reise-Enduro zu tun hat.

 

Nach Hause gings dann recht hurtig über Martigny, Montreux, Lausanne, Bern, Zürich und Bodensee.

 

Die Reise war trotz Nierenproblem schön. Allerdings wärs sicher viel schöner gewesen, wenn es mehrere gewesen wären, allein ist´s halt schon ein wenig einsam!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

St. Marcellin vom Zimmer
 
bei Chateau Arnaux
Saint Michel de Causson 1511m
man kann die Provence riechen
Grasse
viele Parfümerien
wohlriechende Vielfalt
eine alte Destille
Nizza-Fähre weg
ein Tiger in Nizza
Blick vom Hotelzimmer in Noli
 
Montezemollo (ob der Lucca hier her ist?)
 
Colle del Gran Bernardo

... hier geht´s zur Reiseroute